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Brief von Sr. Luise aus Kenia
- Details
- Erstellt am Sonntag, 31. Mai 2009 12:14
Liebe Thika Freunde,
Sr. Luise schrieb mir von der Hungersnot und ich stellte daraufhin einige Fragen. Dann kam diese Antwort. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich während des Jahres um Ihre Hilfe bitte. Das Foto zeigt ein Kind mit Hungerbauch, die Mutter HIV +
Besten Dank
Ihr
Paul Festl
Brief von Sr. Luise aus Kenia:
Immer mehr Menschen kommen zu uns um Nahrungsmittel zu bekommen, da sie sich die hohen Preise nicht leisten können. Ihr kleines Einkommen reicht nicht lange aus und somit steigt die Zahl der hungernden Familien stetig an. Seit dem Bürgerkrieg, von Januar/Februar 2008, sind die Kosten für Nahrungsmittel stark gestiegen. Die Benzinpreise sind zwar gesunken, aber unsere Hoffnungen, dass auch die Lebensmittelpreise sinken, waren leider vergebens. Es gibt auch viele Arbeitslose. Ich bekomme täglich bis zu
drei Briefe von Leuten, die mich nach Arbeit anflehen. Es ist schwierig diesen Menschen abzusagen. Die Regierung weiß von der Hungersnot und versucht Laster voller Rettungspakete zu verschicken. Auch zu uns, in das Dorf in Gachororo, kam einmal ein Laster des Roten Kreuzes, mit 45 Säcken a 90kg. Sie gaben mir 10 Säcke Mais für unsere Waisenkinder in Juja East. Als ich am 25. April meiner Gruppe von 207 Familien nichts zu essen gab, da ich dachte, dass die Regierung ihnen etwas schicken würde, kamen plötzlich alle aufgelöst zu mir, da sie nur jeweils 2 kg. Mais für 2 Wochen bekommen haben! Manche bekamen sogar gar nichts. Also verteilte ich noch jeweils 6 kg. Bohnen für jede Familie. Die Population hier ist sehr groß. Wir haben seit 2 Jahren keine Ernte mehr gehabt. Im April hat es geregnet, also haben wir in Juja East angefangen zu sähen. Wenn es guten Regen gibt, können wir hoffentlich im Juni/Juli mit der Ernte beginnen. Ich weiß nicht von welchen Ländern Kenia den Mais bekommen hat. Aber ich glaube Amerika hat viel gespendet. Das meiste davon geht an die Wüstenregionen, in denen die Lage noch schlimmer ist. Hier können die Kinder wenigstens zu den Mülleimern der Universität laufen und die Abfälle essen. Die Menschen, die zu uns kommen, stammen alle aus Gachororo, da die aus Milimani und Keaora einfach zu schwach sind, um 68 Kilometer zu Fuß zu laufen, um etwas zu essen zu bekommen. Die Leute dort waren schon sehr schwach, als wir damals, im Januar 2009, die Leute für die Sekundarausbildung ausgesucht haben. Viele ältere Menschen sind hier gestorben, da sie zu wenig Geld hatten um ins Krankenhaus zu gehen, geschweige denn sich eine ausreichende Ernährung leisten zu können. Wir hören erst von ihnen, wenn sie bereits gestorben sind und ihre Familien kommen, um nach Geld für eine Beerdigung zu betteln. Aber noch schlimmer geht es den Kindern, die an mangelnder Ernährung nicht wachsen können. Dazu kommt noch, dass viele von ihnen zZt. die Rachitis haben. Dadurch kriegen sie fürchterliche Wunden am ganzen Körper, rot schimmernde Haare und ganz dünne Arme und Beine. Ich hab diesen Müsli gekauft und hoffe, dass sie sich bald wieder erholen.
Wir verteilen pro Monat je 6 kg. Bohnen und 6 kg. Mais. An Ostern haben wir auch 2 kg Mehl, 500 Gramm Fett und 10 Eier für Chapatti verteilt. Das hat sie sehr glücklich gemacht. Sehr geehrter Herr Dr. Festl, ich habe leider keine Ahnung wie viel Kalorien in dieser Nahrung steckt. Die Familien bereiten es meist mit ein paar Blättern und Kräutern zu, die sie in der Savanne finden. Wir haben auch ihnen geholfen, Gemüse in Säcken zu pflanzen. Das können sie auch machen, wenn sie kein Land besitzen. Sie stellen die Säcke mit ein etwas Saatgut vor ihre Wohnungen und bewässern sie mit ihrem Spülwasser. Aber manchmal kommen nachts Ziegen und essen ihnen alles weg. Das letzte mal, am 25. April, ist mir aufgefallen, dass einige Aidskranke nicht zur Essensausgabe gekommen sind. Wir haben herausgefunden, dass sie zu schwach waren, um zu kommen und das Essen heim zu tragen. Nun haben wir andere gefragt, ob diese nicht jenen die Nahrung bringen könnten. Wir hoffen jetzt natürlich, dass die Freiwilligen das Essen wirklich bei den Kranken abliefern und nicht selbst mit nach Hause nehmen.
Das war es für das Erste.
Gott segne Sie!
Sr. Luise O.P.